Weißer Glühwein
Weißer Glühwein ist die hellere und leichtere Art, warmen Wein zu trinken: Zimt und Nelke sind dieselben, der Wein darunter ist ein anderer. Er schmeckt fruchtiger und weniger schwer als die rote Variante, und ein Topf ist in zwanzig Minuten fertig.
Zutaten
| 75 cl | Trockener Weißwein |
| 6 cl | Zuckersirup |
| 1 Stk. | Zimtstange |
| 4 Stk. | Gewürznelken |
| 1 Stk. | Sternanis |
| 4 Scheiben | Orange |
Leg den Drink in den Party-Planer. Dort stehen alle Zutaten auf einer Einkaufsliste, umgerechnet auf Flaschen und Packungen.
So wird er gemixt
Den Wein in einen Topf gießen, Zimtstange, Nelken, Sternanis und Orangenscheiben dazugeben.
Auf kleiner Stufe erwärmen, bis es dampft, und dabei nicht kochen lassen.
Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt 15 bis 20 Minuten ziehen lassen.
Mit dem Zuckersirup abschmecken, erst die Hälfte, dann nach Geschmack mehr.
Gewürze und Orangenscheiben herausnehmen und in vorgewärmte Becher füllen.
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Warum das funktioniert
Roter Glühwein bringt Gerbstoffe mit, und die werden beim Erwärmen schnell kantig. Ein trockener Weißwein hat sie nicht, dafür Säure und Frucht, und beides passt besser zu Zimt und Orange, als man vermutet. Deshalb reicht hier auch weniger Zucker: Was beim roten die Gerbstoffe abfangen muss, fällt beim weißen weg.
Was weißer Glühwein ist
Derselbe Gedanke wie beim roten, nur mit anderem Wein: warmer Wein, gesüßt und mit Zimt und Nelke gewürzt.
Der Unterschied steckt in dem, was der Wein mitbringt. Rotwein hat Gerbstoffe, und die werden beim Erwärmen schnell kantig und bitter. Deshalb braucht roter Glühwein mehr Zucker, der das abfangen muss.
Ein trockener Weißwein hat sie nicht. Er bringt stattdessen Säure und Frucht mit, und daraus wird ein Getränk, das heller und leichter schmeckt. Wer roten Glühwein zu schwer findet, ist hier richtig.
Welcher Weißwein passt
Ein trockener Wein mit lebendiger Säure, und zwar ein einfacher. Riesling, Silvaner, Grauburgunder oder ein Müller-Thurgau aus dem Supermarkt leisten hier genau das, was sie sollen.
Zwei Sorten würde ich meiden. Im Fass ausgebaute Weine bringen Holz- und Vanillenoten mit, die sich mit Zimt und Nelke beißen. Und halbtrockene oder liebliche Weine machen den Glühwein zusammen mit dem Zucker klebrig.

Die Gewürze und ihre Mengen
Hier wird am häufigsten zu viel genommen. Auf eine Flasche Wein reichen:
- 1 Zimtstange. Sie gibt die Grundrichtung vor. Gemahlener Zimt geht nicht, er löst sich nicht und macht den Glühwein trüb
- 4 Gewürznelken. Sie sind das kräftigste Gewürz im Topf. Ab sechs schmeckt alles nur noch nach Nelke
- 1 Sternanis. Er bringt die süßliche Note, die man vom Weihnachtsmarkt kennt
- 4 Scheiben Orange, unbehandelt, weil die Schale mitzieht
Wer mag, legt eine dünne Scheibe Ingwer dazu, das macht den Glühwein wärmer im Abgang. Kardamom und Vanille passen ebenfalls, dann aber nur eine Kapsel oder eine halbe Schote, sonst drängen sie sich vor.

Höchstens 70 Grad
Das ist die wichtigste Regel, und sie ist leicht einzuhalten: Der Wein soll heiß werden und nicht blubbern. Das Deutsche Weininstitut empfiehlt für Glühwein höchstens 70 Grad.
Darüber verdunsten Alkohol und Aromastoffe, und zwar gemeinsam und lange vor dem Siedepunkt. Die verbreitete Behauptung, Alkohol koche erst bei 78 Grad weg, stimmt deshalb nicht: Aus einer Mischung geht er von Anfang an mit.
Ein Thermometer brauchst du trotzdem nicht. Stell die kleinste Stufe ein, bleib daneben und nimm den Topf vom Herd, sobald es dampft. Auf Bläschen zu warten hilft nicht, denn die ersten am Topfrand sind gelöstes Gas und kein Zeichen von Hitze.
Wie viel Alkohol am Ende übrig ist, lässt sich zu Hause nicht ausrechnen. Es hängt an Temperatur, Zeit und Topf, und die Messwerte, die es dazu gibt, stammen aus dem Kochen und lassen sich auf zwanzig Minuten Ziehen nicht übertragen. Verlass dich also nicht darauf: Kurz erhitzter Wein bleibt ein alkoholisches Getränk.
Ziehen lassen und rechtzeitig abseihen
Der Geschmack entsteht nicht beim Erhitzen, sondern beim Ziehen. Nimm den Topf vom Herd, deck ihn zu und lass ihn 15 bis 20 Minuten stehen.
Danach müssen die Gewürze heraus. Nelken und Sternanis geben mit der Zeit Bitterstoffe ab, und die Orangenschale wird ebenfalls bitter, wenn sie stundenlang im Topf liegt. Ein Sieb reicht, eine feine Gewürzkugel macht es noch einfacher.
Gesüßt wird erst am Schluss, wenn die Gewürze ihre Arbeit getan haben. Fang mit der Hälfte des Sirups an und probier dich heran, denn Wärme lässt Süße stärker wirken, als sie beim Abschmecken scheint.
Süßen mit Sirup oder Honig
Wir rechnen mit Zuckersirup aus gleichen Teilen Zucker und Wasser, weil er sich sofort verteilt und sich gut dosieren lässt. Sechs Zentiliter auf die Flasche sind ein guter Ausgangspunkt.
Honig geht auch, ist aber kein Tausch eins zu eins. Er ist süßer, bringt eigenen Geschmack mit und nimmt dem Glühwein etwas von der Klarheit. Rechne mit einem knappen Esslöffel je Becher und rühr ihn erst ein, wenn der Topf vom Herd ist.
Kristallzucker funktioniert ebenfalls, braucht aber Rühren und löst sich in kaltem Wein schlecht. Wenn du ihn nimmst, gib ihn gleich zu Beginn dazu.
Mit Apfelsaft strecken
Ein verbreiteter Weg, den Glühwein milder zu machen: Ersetz ein Viertel des Weins durch naturtrüben Apfelsaft, also rund 20 Zentiliter auf die Flasche.
Der Drink wird dadurch fruchtiger und spürbar schwächer, und du brauchst weniger Zucker. Geh beim Sirup auf drei Zentiliter zurück und schmeck erst danach ab.
Apfel passt besonders gut zu Zimt, deshalb funktioniert diese Variante besser als mit Orangen- oder Traubensaft. Wer sie noch leichter mag, nimmt halb Wein und halb Saft.
Mit Schuss, und welcher passt
Ein Schuss gehört nicht ins Grundrezept, sondern in den einzelnen Becher. Zwei Zentiliter reichen.
- Amaretto ist die naheliegendste Wahl, weil Mandel und Zimt zusammengehören
- Brauner Rum macht den Glühwein kräftiger und etwas karamelliger
- Orangenlikör verstärkt, was die Orangenscheiben ohnehin tun
- Obstbrand aus Birne oder Apfel passt zur Apfelsaft-Variante
Rechne mit, was das ausmacht: Zwei Zentiliter Amaretto bringen ein knappes halbes Standardglas zusätzlich ins Glas, zwei Zentiliter Rum ein gutes halbes. Wer Auto fährt, lässt den Schuss weg, und zwar vollständig.
Was im Handel Glühwein heißen darf
Für verkauften Glühwein gibt es europäische Regeln, und die sind überraschend streng. Er muss aus Wein gemacht sein, mindestens 7 Prozent Alkohol haben und darf 14,5 nicht überschreiten, gewürzt wird hauptsächlich mit Zimt und Nelken.
Zwei Punkte überraschen die meisten: Wasser darf nicht zugesetzt werden, abgesehen von dem bisschen, das beim Süßen ohnehin hineinkommt. Und wenn nur weißer Wein verwendet wird, muss das Wort weiß auf dem Etikett stehen.
Für deinen Topf zu Hause gilt das nicht. Du darfst strecken, würzen und nennen, wie du willst. Interessant ist es trotzdem: Wer am Stand einen Glühwein kauft, bekommt kein verdünntes Getränk, und ein Mindestmaß an Alkohol ist ihm sicher.
Wie stark er ist
Eine Flasche trockener Weißwein mit 11,5 Prozent ergibt 86 Milliliter reinen Alkohol. Mit dem Sirup kommt der Topf auf gut 81 Zentiliter, und das sind rechnerisch 10,6 Prozent.
Auf vier Becher verteilt bleiben je Becher rund 17 Gramm Alkohol. Bei 11 Gramm je Standardglas, mit denen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rechnet, sind das 1,5 Standardgläser je Becher.
Diese Zahlen gelten für das, was in den Topf kommt. Beim Erwärmen geht ein Teil davon weg, und wie viel, hängt an Temperatur und Zeit. Mit der Apfelsaft-Variante landest du bei rund 8 Prozent, und mit einem Schuss im Becher wieder darüber.
Für eine ganze Runde
Glühwein ist das einfachste Getränk für viele Gäste, weil ein Topf eine ganze Runde bedient.
Rechne mit zwei bis drei Bechern je Gast über den Abend. Für zehn Gäste sind das rund sechs Flaschen Wein, sechs Zimtstangen, 24 Nelken, sechs Sternanis, vier Orangen und 36 Zentiliter Zuckersirup.
Wenn du von zehn Litern hörst: Das ist die Menge fertiger Glühwein, nicht die Menge Wein. Zehn Liter reichen für etwa fünfzig Becher, und dafür brauchst du gut dreizehn Flaschen.
Warmhalten und wieder aufwärmen
Auf dem Herd stehen lassen ist die schlechteste Lösung. Der Glühwein wird dort immer heißer, verliert Alkohol und Aroma, und was übrig bleibt, schmeckt flach.
Eine Thermoskanne ist die beste Wahl. Gewürze vorher heraussieben, einfüllen, zumachen, fertig. Drei Stunden später schmeckt er wie frisch gemacht.
Reste hältst du gekühlt zwei bis drei Tage. Wärm sie langsam wieder auf, wieder ohne zu kochen, und schmeck noch einmal ab. Nach einer Nacht ist die Süße oft zurückgegangen.
Ohne Alkohol und andere warme Drinks
Ohne Wein wird daraus ein anderer Drink, und zwar ein guter: weißer Traubensaft mit Apfelsaft, denselben Gewürzen und einem Spritzer Zitrone gegen die Süße. Eine eigene Seite dafür ist in Arbeit.
Der zweite warme Drink bei uns ist der heiße Hugo. Er arbeitet mit demselben Wein, lässt die Gewürze aber weg und setzt auf Holunderblüte, Minze und Limette. Dadurch schmeckt er floral statt würzig und passt schon im November, wenn Zimt noch zu früh kommt.
Alles Weitere steht bei den Cocktail-Rezepten.
Häufige Fragen zum Weißen Glühwein
Wie mache ich weißen Glühwein?
Eine Flasche trockenen Weißwein mit einer Zimtstange, vier Nelken, einem Sternanis und vier Orangenscheiben erwärmen, nicht kochen, 15 bis 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und mit Zuckersirup abschmecken.
Welcher Wein eignet sich?
Ein einfacher trockener Weißwein mit Säure, etwa Riesling, Silvaner oder Grauburgunder. Im Fass ausgebaute und liebliche Weine passen nicht.
Wie heiß darf Glühwein werden?
Höchstens 70 Grad, so empfiehlt es das Deutsche Weininstitut. Darüber verdunsten Alkohol und Aroma. Kochen darf er nie.
Verkocht der Alkohol beim Erwärmen?
Ein Teil geht weg, wie viel, hängt an Temperatur und Zeit. Verlass dich nicht darauf: Kurz erhitzter Wein bleibt ein alkoholisches Getränk.
Wie viele Gewürze kommen in eine Flasche?
Eine Zimtstange, vier Nelken, ein Sternanis und vier Orangenscheiben. Mehr Nelken drängen alles andere weg.
Wie lange muss er ziehen?
15 bis 20 Minuten zugedeckt vom Herd gezogen. Danach die Gewürze herausnehmen, sonst wird er bitter.
Kann ich ihn mit Apfelsaft strecken?
Ja. Ersetz ein Viertel des Weins durch naturtrüben Apfelsaft und geh beim Sirup auf drei Zentiliter zurück. Apfel und Zimt passen besonders gut.
Welcher Schuss passt in weißen Glühwein?
Zwei Zentiliter Amaretto, brauner Rum, Orangenlikör oder ein Obstbrand, und zwar in den Becher statt in den Topf.
Wie viel Alkohol hat ein Becher?
Rechnerisch 10,6 Prozent und rund 17 Gramm reiner Alkohol je Becher, also 1,5 Standardgläser. Mit Apfelsaft sind es etwa 8 Prozent.
Wie halte ich ihn warm?
In einer Thermoskanne, nach dem Abseihen. Auf dem Herd stehen zu lassen kostet Alkohol und Aroma.




