20,6 % Vol. 1,8 Standardgläser Cocktailschale (15 cl)

Espresso Martini

Der Abend ist lang, das Essen sitzt schwer, und jemand fragt, ob noch etwas geht. Dafür ist der Espresso Martini gemacht. Kalter Kaffee in der Cocktailschale, obendrauf eine hellbraune Krone, die aussieht wie frisch aus der Siebträgermaschine. Vier Zutaten und zwei Minuten brauchst du dafür, und auf einen einzigen Handgriff kommt es an, damit die Krone auch steht.

Espresso Martini als Illustration

Zutaten

Für 1 Glas · Cocktailschale (15 cl)
5 cl Wodka
3 cl Kaffeelikör
1 cl Zuckersirup
3 cl Espresso frisch gebrüht, heiß
6 Eiswürfel für den Shaker, etwa 150 g

Garnitur: Drei Kaffeebohnen

Leg den Drink in den Party-Planer. Dort stehen alle Zutaten auf einer Einkaufsliste, umgerechnet auf Flaschen und Packungen.

So wird er gemixt

1

Einen Espresso frisch brühen.

2

Wodka, Kaffeelikör, Zuckersirup und den heißen Espresso mit Eis in den Shaker geben.

3

Kräftig schütteln, bis der Shaker außen beschlägt.

4

Durch ein Sieb in die vorgekühlte Cocktailschale gießen.

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Warum das funktioniert

Kaffee und Alkohol sind eine alte Verbindung, die bei diesem Drink besonders gut funktioniert. Der Espresso bringt Bitterkeit und Röstaromen mit, der Kaffeelikör legt Süße darunter, und der Wodka bleibt geschmacklich im Hintergrund und sorgt für die Wucht. Weil alles kalt geschüttelt wird, schmeckt der Drink nicht nach heißem Kaffee, sondern nach etwas Eigenem.

Das Verhältnis 5-3-1

Fünf Teile Wodka, drei Teile Kaffeelikör, ein Teil Zuckersirup. Bei uns sind das 5 cl, 3 cl und 1 cl, dazu kommt ein frisch gebrühter Espresso mit 3 cl. Damit liegen wir auf der Rezeptur der International Bartenders Association.

Der Wodka führt, obwohl man ihn kaum herausschmeckt. Er verdünnt den Kaffee nicht, sondern trägt ihn, und genau deshalb steht er mit dem größten Anteil im Glas. Der Kaffeelikör bringt die Süße mit, die der Espresso allein nicht hätte.

Wenn du den Drink herber magst, nimm 1 cl Kaffeelikör weniger und gleiche das mit 0,5 cl Sirup aus. So bleibt die Süße, ohne dass der Likörgeschmack die Röstaromen zudeckt.

Schaumkrone auf dem Espresso Martini mit drei Kaffeebohnen in der Cocktailschale

Woher die Schaumkrone kommt

Im Espresso stecken Öle und gelöstes Kohlendioxid aus der frisch gebrühten Crema. Beim kräftigen Schütteln mit Eis werden beide zu feinem Schaum aufgeschlagen, und der setzt sich im Glas nach oben ab.

Deshalb muss der Espresso heiß und frisch in den Shaker. Ein Kaffee, der seit einer halben Stunde in der Kanne steht, hat seine Crema längst verloren und bringt dann auch keine mehr mit ins Glas.

Geschüttelt wird länger, als man denkt. Zehn bis fünfzehn Sekunden, bis der Shaker außen weiß beschlägt und du ihn kaum noch anfassen magst. In dieser Zeit kühlt der Drink von heiß auf eiskalt herunter, und dabei entsteht der Schaum.

Welcher Kaffee taugt

Am besten nimmst du einen Espresso aus der Siebträger- oder Kapselmaschine. Beide arbeiten mit Druck, und nur unter Druck entsteht die Crema, aus der später der Schaum wird.

Bei der Bohne hast du freie Hand. Eine dunkle Röstung passt gut, weil ihre Schokoladennoten den Kaffeelikör aufgreifen. Eine hellere, säurebetonte Bohne macht den Drink frischer und lässt ihn weniger nach Dessert schmecken.

Ohne Espressomaschine

Ein Herdkännchen aus Aluminium, das viele als Bialetti kennen, liefert einen kräftigen Kaffee mit genug Körper. Die Crema fällt dünner aus, für die Krone reicht es trotzdem, wenn du kräftig genug schüttelst.

Filterkaffee ist zu dünn und macht den Drink wässrig. Falls du nur eine Filtermaschine hast, nimm die doppelte Menge Pulver auf dieselbe Wassermenge und lass den Kaffee danach kurz stehen, damit er sich setzt.

Welcher Kaffeelikör passt

Jeder Kaffeelikör mit rund 20 % Vol. passt, und die Unterschiede zwischen den Marken sind kleiner, als der Preis vermuten lässt. Die offizielle Rezeptur nennt Kahlúa, ein mexikanischer Likör auf Rumbasis, der deutlich süß und leicht vanillig ist.

Tia Maria fällt trockener aus und schmeckt stärker nach Kaffee als nach Zucker. Wenn du einen davon nimmst, brauchst du unter Umständen 0,5 cl Sirup mehr.

Worauf du achten solltest: Manche Liköre heißen zwar Kaffeelikör, sind aber eigentlich Sahneliköre mit Kaffeegeschmack. Die machen den Drink cremig und trüb, und die klare Trennung zwischen dunklem Kaffee und heller Krone geht dabei verloren.

Wenn kein Kaffeelikör im Haus ist

Dann baust du ihn dir aus dem, was der Likör mitbringt, nämlich Kaffee und Zucker. Nimm statt der 3 cl Likör 1 cl mehr Espresso und 1,5 cl mehr Zuckersirup. Der Drink wird dadurch kaffeelastiger und ein gutes Stück stärker, weil der Wodka nun den gesamten Alkohol stellt.

Amaretto funktioniert ebenfalls und bringt eine Mandelnote mit, die zum Kaffee passt. Bei Baileys landest du dagegen bei einem anderen Drink, weil die Sahne den Kaffee eindeckt.

Welcher Wodka gehört hinein

Ein neutraler Wodka aus dem Supermarkt reicht vollkommen. Er soll nichts beisteuern außer Alkohol, und alles, was ihn besonders macht, verschwindet ohnehin unter dem Kaffee.

Für teure Flaschen wäre es hier schade. Einen Vanillewodka kannst du nehmen, wenn du es süßer magst, dann solltest du allerdings beim Sirup sparen.

Wie süß er werden soll

Die Süße kommt aus zwei Quellen, dem Likör und dem Sirup, und das macht die Sache beweglich. Wer einen süßen Likör wie Kahlúa nimmt und trotzdem 1 cl Sirup dazugibt, bekommt einen Drink, der Richtung Dessert geht.

Uns ist das Verhältnis aus der offiziellen Rezeptur am liebsten, weil die Bitterkeit des Espressos dabei erhalten bleibt. Wenn dir das zu herb ist, geh in Schritten von 0,5 cl nach oben und probiere nach jedem Schritt.

Ohne Shaker mixen

Ein Einmachglas mit Schraubdeckel tut es genauso, solange der Deckel wirklich dicht schließt. Fülle es zur Hälfte mit Eis, gib die Zutaten dazu und schüttele es mit beiden Händen, weil es kalt und rutschig wird.

Zum Abgießen legst du den Deckel schräg auf und hältst das Eis mit ihm zurück. Ein Teesieb über dem Glas fängt die kleinen Splitter ab, die sonst mit in die Schale kommen und die Krone zerstechen.

Welches Glas passt

Eine Cocktailschale mit rund 15 cl, also die runde, flache Form auf dem dünnen Stiel. Sie hat eine große Oberfläche, und darauf verteilt sich die Krone zu einer geschlossenen Decke, statt in der Mitte zusammenzulaufen.

Das spitze Martiniglas geht auch und ist die Form, der der Drink seinen Namen verdankt. Weil es oben ähnlich weit ist, bleibt die Krone ebenfalls stehen. Ein Tumbler oder ein Weinglas funktioniert dagegen schlechter, weil der Schaum dort in einer dicken Schicht zusammenfällt.

Serviert wird ohne Eis im Glas. Das Eis hat im Shaker seine Arbeit getan, und im Glas würde es die Krone von unten auflösen.

Wie stark er ist

Der Espresso Martini ist der stärkste Drink dieser Sammlung. In der Schale stehen 5 cl Wodka mit 37,5 % Vol. und 3 cl Kaffeelikör mit 20 % Vol., und weil außer dem Espresso nichts verdünnt, kommt er auf 20,6 % Vol.

Beim Schütteln schmilzt Eis in den Drink, und im Glas landen dadurch rund 16,5 % Vol. Das sind 19,5 Gramm reiner Alkohol und damit 1,8 Standardgläser, also fast doppelt so viel wie ein Glas Wein.

Das ist der Grund, warum er in kleinen Gläsern serviert wird und warum zwei davon für die meisten genug sind. Der Kaffee macht die Sache heikel, weil er die Müdigkeit überdeckt, nicht den Alkohol.

Wie viel Koffein in einem Glas steckt

Ein Espresso liefert rund 80 mg Koffein. Das steht so in der Sicherheitsbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, gerechnet auf 60 ml Espresso.

Dieselbe Bewertung nennt zwei Zahlen, die für den Abend nützlich sind. Einzeldosen bis 200 mg gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich, und ab etwa 100 mg kann sich das Einschlafen verschieben, wenn man sie kurz vor dem Zubettgehen aufnimmt. Ein Glas liegt darunter, zwei Gläser liegen mit rund 160 mg darüber.

Für Schwangere gilt eine Tagesmenge von 200 mg aus allen Quellen, und beim Espresso Martini kommt ohnehin der Alkohol dazu. Kinder gehören aus demselben Grund nicht an dieses Glas, weder an das mit Alkohol noch an das ohne.

Was mit den Kalorien los ist

Eine verlässliche Gesamtzahl gibt es nicht, und das hat einen Grund: Getränke über 1,2 % Vol. sind von der Nährwertkennzeichnung ausgenommen, geregelt in Anhang V der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011. Der Hersteller muss also nichts angeben, und die Werte, die im Netz kursieren, gehen entsprechend weit auseinander.

Rechnen lässt sich der Alkohol. Er liefert 7 Kilokalorien je Gramm, so steht es im Anhang XIV derselben Verordnung, und bei 19,5 Gramm sind das rund 137 Kilokalorien. Das ist bereits mehr, als viele für den ganzen Drink veranschlagen, und der Zucker fehlt in dieser Rechnung noch.

Der Zucker steckt im Likör und im Sirup. Wie viel es genau ist, hängt an der Flasche, die bei dir steht, denn zwischen einem süßen und einem trockenen Kaffeelikör liegen Welten. Wer sparen will, nimmt den trockeneren Likör und lässt den Sirup weg.

Vier Espresso Martini für Gäste vorbereitet, daneben der Shaker

Für eine Runde vorbereiten

Einzeln geschüttelt dauert ein Espresso Martini zwei Minuten, und bei zehn Gästen stehst du damit zwanzig Minuten in der Küche. Das lässt sich abkürzen, ohne dass die Krone leidet.

Misch Wodka, Kaffeelikör und Zuckersirup schon am Nachmittag im Verhältnis 5-3-1 in einer Flasche ab und stell sie kalt. Für zehn Gläser sind das 50 cl Wodka, 30 cl Kaffeelikör und 10 cl Sirup. Der Espresso bleibt draußen, denn er muss frisch sein.

Wenn es losgeht, brühst du zwei Espressi, gibst 18 cl der kalten Mischung und 6 cl Espresso mit Eis in den Shaker und schüttelst zwei Gläser auf einmal. So bist du bei zehn Gläsern nach gut zehn Minuten durch.

Was du dafür einkaufst

Für zehn Gläser kaufst du das hier ein:

  • 1 Flasche Wodka zu 0,7 Litern
  • 1 Flasche Kaffeelikör zu 0,7 Litern
  • 10 cl Zuckersirup oder 100 Gramm Zucker für den selbst gekochten
  • Kaffeebohnen für zehn Espressi und dreißig Bohnen zum Garnieren
  • gut 1 Kilo Eis

Von beiden Flaschen bleibt etwas übrig, denn zehn Gläser brauchen 50 cl Wodka und 30 cl Likör.

Woher er kommt und warum er Martini heißt

Erfunden hat ihn der britische Barkeeper Dick Bradsell in den Achtzigern in London, in der Soho Brasserie. Das Lokal hatte gerade eine Espressomaschine neben der Bar aufgestellt, und ein Gast bat um etwas, das wach macht und gleichzeitig betrunken.

Damals hieß der Drink Vodka Espresso und kam auf Eis ins Glas. Seinen heutigen Namen bekam er erst später, als Bradsell ihn in einer anderen Bar neu aufsetzte und ohne Eis in der Cocktailschale servierte. Belegt ist das im Oxford Companion to Spirits & Cocktails, das beim Jahr allerdings von Bradsells eigener Erinnerung abweicht.

Mit einem Martini hat er nichts zu tun. Im Martini stecken Gin und Wermut, hier stecken Wodka und Kaffee, und Wermut kommt in keiner Rezeptur vor. Der Name hängt allein am Glas, denn zu der Zeit bekam so ziemlich jeder Drink im Stielglas ein Martini angehängt.

Varianten

Mit Baileys statt Kaffeelikör wird aus dem Drink ein cremiges Dessert, das sich zwar gut trinkt, die Krone aber verliert. Wer beides will, nimmt 2 cl Kaffeelikör und 1 cl Baileys und behält so die Trennung zwischen Kaffee und Schaum.

Ein Löffel Vanillesirup anstelle des Zuckersirups macht ihn weicher und runder. Mit Salzkaramellsirup wird er süßer und schmeckt kräftiger nach Dessert, und dann lohnt es sich, den Espresso etwas stärker zu brühen.

Eine Prise Salz auf die fertige Krone klingt merkwürdig und funktioniert gut, weil Salz die Bitterkeit des Kaffees zurücknimmt.

Espresso Martini ohne Alkohol

Den Geschmack trägt hier der Kaffee, und der bleibt ohne Wodka und Likör genauso erhalten. Auch die Krone entsteht weiterhin, weil sie aus dem Espresso kommt und nicht aus dem Alkohol. Das Rezept steht beim Espresso Martini alkoholfrei.

Häufige Fragen zum Espresso Martini

Wie schmeckt ein Espresso Martini?

Kräftig nach Kaffee, dahinter süß und leicht schokoladig vom Likör. Der Wodka bleibt im Hintergrund und macht sich eher durch die Wärme im Hals bemerkbar als durch einen eigenen Geschmack.

Muss der Espresso wirklich heiß sein?

Ja, und das ist der wichtigste Punkt am ganzen Rezept. Nur ein frisch gebrühter Espresso bringt die Crema mit, aus der beim Schütteln die Krone entsteht.

Warum liegen drei Kaffeebohnen obenauf?

So schreibt es die offizielle Rezeptur der International Bartenders Association vor. Sie geben dem Drink beim Trinken zusätzlich Kaffeeduft mit.

Ist Kahlúa Pflicht?

Nein. Die offizielle Rezeptur nennt ihn, jeder andere Kaffeelikör mit rund 20 % Vol. funktioniert genauso. Bei einem trockeneren Likör gibst du etwas mehr Zuckersirup dazu.

Kann ich Filterkaffee nehmen?

Es geht, der Drink wird dann allerdings dünner und die Krone flacher. Nimm in dem Fall die doppelte Menge Kaffeepulver auf dieselbe Wassermenge.

Wie viel Alkohol hat ein Espresso Martini?

Er kommt auf 20,6 % Vol. und liegt im Glas nach dem Schmelzwasser bei 16,5 % Vol. Das sind 19,5 Gramm reiner Alkohol oder 1,8 Standardgläser, ungefähr so viel wie zwei Gläser Wein.

Wie viel Koffein ist drin?

Rund 80 mg, so viel wie ein Espresso. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält Einzeldosen bis 200 mg für gesunde Erwachsene für unbedenklich.

Wann trinkt man ihn?

Nach dem Essen und am späten Abend, dort hat er seinen Platz. Als Aperitif vor dem Essen ist er zu süß und zu stark.

Kann ich ihn vorbereiten?

Wodka, Kaffeelikör und Sirup kannst du Stunden vorher abmischen und kalt stellen. Espresso und Eis kommen erst beim Schütteln dazu.

Dürfen Kinder ihn trinken?

Für Kinder ist er nichts, und zwar aus zwei Gründen. Neben dem Alkohol steckt so viel Koffein darin wie in einem Espresso.